chatbot

Politik

Das Thema Demenz rückt zunehmend auf die politische Agenda. Viele Länder haben nationale Demenzstrategien erstellt, um die Erkrankten und ihre Angehörigen zu unterstützen und die Öffentlichkeit für die Krankheit zu sensibilisieren.

Von Martin Mühlegg und Zeitenspiegel Reportagen

Aktualisiert am 23. April 2026


FAQ 1: Warum ist Demenz ein politisches Thema?
Weil immer mehr Menschen betroffen sind und Unterstützung brauchen. Politik soll Versorgung verbessern, Angehörige entlasten, Forschung fördern und Vorurteile abbauen. Viele Länder haben dafür nationale Demenzstrategien entwickelt.

FAQ 2: Was will eine nationale Demenzstrategie erreichen?
Ziele sind bessere Betreuung, frühe Diagnose, mehr Teilhabe, Unterstützung für Angehörige, demenzfreundliche Gemeinden und mehr Forschung. Entscheidend ist, dass Massnahmen nicht nur beschlossen, sondern auch finanziert werden.

FAQ 3: Wie schneiden Deutschland, Schweiz und Österreich ab?
Alle drei Länder haben Strategien oder Programme entwickelt. Fortschritte gibt es bei Sensibilisierung und Versorgung. Kritik bleibt oft bei Finanzierung, Umsetzung und regionalen Unterschieden im Zugang zu Angeboten.


Im Jahr 2011 forderte das Europäische Parlament die Mitgliedstaaten auf, nationale Pläne und Strategien für demenzielle Erkrankungen zu erstellen, damit sich die Situation der Betroffenen verbessert und die Demenzforschung ausgebaut wird. Wie weit diese Ziele in den einzelnen Ländern erreicht wurden, hat die Dachorganisation der europäischen Alzheimer-Gesellschaften untersucht und 2017 einen Bericht darüber herausgegeben. 

Demnach sind europaweit erhebliche Ungleichheiten beim Zugang zur Demenzversorgung. Am besten schneidet Finnland ab, dort gibt es die meisten Betreuungsdienste und es wird dafür gesorgt, dass diese Dienste für Menschen mit Demenz auch zugänglich und erschwinglich sind. Außerdem hat dieses Land die meisten demenzfreundlichen Initiativen und Gemeinden. 

demenzjournal

Finnland und England top, Schweiz nur Mittelmass

Wie verfügbar sind Pflegeleistungen und was kosten sie? Hat das Land eine Demenzstrategie und beteiligt es sich an der Demenzforschung? … weiterlesen

Auf Platz zwei steht England, gefolgt von den Niederlanden und Deutschland. Österreich erreicht Platz 12 der Rangliste und die Schweiz Platz 14. Laut der Ergebnisse des europäischen Demenzmonitors war allerdings kein Land führend in allen zehn untersuchten Kategorien, zu denen unter anderem die Verfügbarkeit von Pflegeleistungen, die Erstattung von Arzneimitteln und die Beteiligung an Forschungsinitiativen zu Demenz zählten.

Die Politik der Länder des deutschsprachigen Raums begegnet den Herausforderungen der demenziellen Erkrankungen mit unterschiedlichen Strategien und Plänen.

Demenzstrategie in Deutschland

Im September 2012 gründeten das Bundesfamilienministerium und das Bundesgesundheitsministerium die «Allianz für Menschen mit Demenz», mit dem Ziel, das Leben der Betroffenen in Deutschland zu erleichtern. Bis 2018 wurden 450 Maßnahmen umgesetzt, darunter die Neugründung von 500 lokalen Allianzen und der Zugang für demenziell Erkrankte zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Aufbauend auf die Arbeit der «Allianz für Menschen mit Demenz», verabschiedete das Bundeskabinett im Juli 2020 die erste Nationale Demenzstrategie

Quelle YouTube

Sie benennt als Handlungsfelder die Verbesserung der Teilhabe von Menschen mit Demenz, die stärkere Unterstützung der Angehörigen, die Weiterentwicklung der medizinischen und pflegerischen Versorgung sowie die Förderung der Forschung.

Mit einer bundesweiten Kampagne soll zudem die Aufmerksamkeit für Demenz in der Gesellschaft erhöht und zum Engagement aufgerufen werden. Die insgesamt 162 Maßnahmen der nationalen Demenzstrategie sollen bis zum Jahr 2026 umgesetzt werden, zur konkreten Finanzierung gibt es allerdings keine Angaben. 

demenzjournal

Hoffentlich mehr als Papier

Am 1. Juli beschloss das deutsche Bundeskabinett eine Nationale Demenzstrategie. Damit Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen etwas davon haben, braucht … weiterlesen

➔ Der Wegweiser Demenz gibt ausführliche Informationen zur Nationalen Demenzstrategie für Deutschland

Demenzstrategie in der Schweiz

Im Rahmen der Nationalen Demenzstrategie 2014 bis 2019 wurden in vier Handlungsfeldern insgesamt 18 Projekte lanciert, unter anderem Qualitätsstandards für die Diagnostik, Sensibilisierungsmaßnahmen für die breite Bevölkerung und medizinethische Richtlinien für die Betreuung und Behandlung von Menschen mit Demenz. Außerdem haben viele Kantone eigene Demenzstrategien entwickelt. 

In einer abschließenden Bewertung der Nationalen Demenzstrategie wurde festgestellt, dass dadurch zwar wichtige Impulse gesetzt wurden, doch viele Projekte wegen fehlenden finanziellen Ressourcen nur unzureichend oder gar nicht umgesetzt werden konnten.

demenzjournal

Das eine nicht tun und das andere lassen

Eine «Nationale Plattform Demenz» ersetzt die Nationale Demenzstrategie. Die ersten Absichtserklärungen aus dem Bundesamt für Gesundheit versprechen wenig. weiterlesen

Im Oktober 2019 hat der «Dialog Nationale Gesundheitspolitik» von Bund und Kantonen beschlossen, die Demenzstrategie in eine «Nationale Plattform Demenz» zu überführen. Damit sollen Projekte der Vorgängerorganisation besser zwischen Bund, Kantonen und Gemeinden koordiniert und weitere Maßnahmen gemeinsam erarbeitet werden. Weiterhin wird beabsichtigt, dass Krankenversicherer und Kantone Behandlungen im ambulanten und stationären Bereich einheitlich finanzieren

Außerdem soll es eine Regelung geben, die höhere Anforderungen an die Leistungserbringer im ambulanten Bereich stellt, um damit die Qualität und Wirtschaftlichkeit dieser Dienste zu erhöhen. Zudem soll eine Überversorgung im Gesundheitswesen verhindert und damit das Kostenwachstum gedämpft werden.

➔ Hier gibt es Informationen zur Nationalen Plattform Demenz in der Schweiz

Demenzstrategie in Österreich

Die nationale Demenzstrategie «Gut leben mit Demenz» wurde im Jahr 2015 im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen sowie des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz entwickelt. Es umfasst 21 Handlungsempfehlungen für mehrere Ziele, deren Erreichen die Lebenssituation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen verbessern soll.

»demenzworld vermittelt Wissen, pflegt Netzwerke und schafft Raum für Austausch. Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen werden sichtbar und sprechen für sich selbst. So können wir Stigmatisierung und Tabuisierung abbauen.«

Raphael Schönborn, Geschäftsführer Promenz Wien

Jetzt spenden

Zu den Zielen zählen unter anderem der breite Ausbau von Informationen, die Stärkung von Wissen und Kompetenz, die Sicherstellung von demenzgerechten Versorgungsangeboten und die Qualitätsverbesserung durch Forschung. Wie in Deutschland und der Schweiz bleibt auch bei der österreichischen Demenzstrategie offen, wie die beschlossenen Maßnahmen zu finanzieren sind

➔ Hier geht es zur Website mit Informationen zur österreichischen Demenzstrategie

Entdecke unsere weiteren Plattformen:

demenzworld

Alles für das Leben mit Demenz: Verschaffe dir einen Überblick über die demenzworld und entdecke unser demenznavi.

Mehr erfahren

demenzjournal

Interviews, Reportagen, Blogs und mehr: demenzjournal versorgt dich seit 2016 crossmedial mit Demenzwissen.

Mehr erfahren

demenzmeets

Triff Angehörige, Betroffene und Fachpersonen zu einem Austausch auf Augenhöhe und verbringe »leichte Stunden zu einem schweren Thema«.

Mehr erfahren

demenzforum

Tausche dich in unserem sicheren Online-Forum vertrauensvoll zum Alltag mit Demenz aus und erhalte rasch Antworten.

Mehr erfahren