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Wohnen mit Demenz: Sicherheit und Orientierung im Alltag

Um möglichst lange selbstbestimmt leben zu können, benötigen Menschen mit Demenz angepasste Wohnungen und Lebensräume.

Von Martin Mühlegg und Zeitenspiegel Reportagen

Aktualisiert am 7. Juli 2026


FAQ 1: Warum spricht man besser von »menschenfreundlich« statt »demenzfreundlich«?
Weil sich die grundlegenden Bedürfnisse kaum ändern. Menschen mit Demenz brauchen wie alle anderen Sicherheit, Orientierung, Licht, Bewegung und Begegnung. Räume, die diese Bedürfnisse erfüllen, helfen allen – nicht nur Menschen mit Demenz.

FAQ 2: Was macht eine Wohnung für Menschen mit Demenz sicherer?
Wichtig sind klare Wege, viel Licht und möglichst wenige Hindernisse. Entfernen Sie Stolperfallen, sorgen Sie für gute Beleuchtung und nutzen Sie einfache Orientierungshilfen wie Symbole an Türen oder eine gut lesbare Uhr und einen großen Kalender.

FAQ 3: Muss man eine Wohnung für Menschen mit Demenz komplett umbauen?
Nein. Oft helfen schon kleine Veränderungen: Möbel reduzieren, Haltegriffe im Bad montieren, Nachtlichter einsetzen oder wichtige Dinge farblich hervorheben. Wichtig ist, Schritt für Schritt vorzugehen und die Bedürfnisse immer wieder neu zu prüfen.


In Deutschland leben rund drei Millionen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. Darunter sind viele der 1,8 Millionen Menschen mit Demenz. Gleichzeitig sind von den 37 Millionen Wohnungen (inklusive Einfamilienhäuser) nur 560 000 Wohnungen – das sind 1,5 Prozent – barrierearm, also ohne Schwellen, Stufen und mit ausreichender Bewegungsfreiheit. Verbesserungsbedarf besteht auch bei der Gestaltung von Städten und Wohnquartieren. In diesem Zusammenhang werden oft die Worte »demenzfreundlich« oder »demenzgerecht« verwendet, die man eigentlich durch »menschenfreundlich« ersetzen sollte. Der Ethiker, Pfleger und Buchautor Michael Schmieder findet nämlich, dass sich die Bedürfnisse eines Menschen mit der Diagnose kaum ändern.

Im Zentrum stehe die Wertschätzung, und die äußere sich auch, indem man für diese Menschen angemessene Lebensräume schaffe. Wer helle, freundliche, barrierefreie Wohnungen mit Bewegungsfreiheit, klarer Orientierung und vielen Sitzgelegenheiten baut, der baut vorwiegend menschenfreundlich.

Demenzfreundlich ist vorwiegend menschenfreundlich 

Passender Name hin oder her: Labels wie demenzgerecht, demenzfreundlich oder age friendly lösen sehr positive Entwicklungen aus. Denn sie sorgen dafür, dass sich Verwaltungen, Firmen, Institutionen, Architekten und Bauherren mit der Thematik befassen und passende Lebensräume erschaffen.

Grundsätzliche Überlegungen zum Wohnen mit Demenz

  • Wo sind die Gefahrenquellen?
  • Was braucht die erkrankte Person, was macht sie gerne?
  • Was kann ich selbst anpassen, wo brauche ich fachliche und/oder finanzielle Unterstützung?
  • Verändere nicht zu viel auf einmal.
  • Sei flexibel – die Krankheit und die Bedürfnisse verändern sich.
  • Denke auch an dich und deinen Rückzugsraum.

(Quelle: Alzheimer Schweiz)

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So verbessern Sie die Wohnsituation

  • Entferne unnötige Möbel und Hindernisse. Empfehlenswert sind breite, ebenerdige Türen, schwellenlose Zugänge zu Balkon oder Terrasse und eine ebenfalls ebenerdige, geräumige Dusche mit Haltegriffen und rutschfesten Fliesen. Das Bett im Schlafzimmer sollte von drei Seiten bequem zugänglich und höhenverstellbar sein.  
  • Kennzeichne die Türen mit persönlichen Gegenständen und Symbolbildern. Zimmertüren lässt du am besten offen – oder du kannst sie entfernen.
  • Bei der Orientierung in der Nacht helfen Bewegungsmelder und Leuchtstecker.
  • Reduziere die Anzahl der Gegenstände und schaffe trotzdem eine behagliche Atmosphäre.
  • Unterstütze die zeitliche Orientierung mit einem großen Kalender und einer Digitaluhr mit großen Ziffern und ausgeschriebenem Wochentag.
  • Bei allein lebenden Menschen mit Demenz ist ein gut sichtbares Notizbuch hilfreich, in dem alle ihre Einträge machen können.
  • Schaffe eine ruhige Atmosphäre, reduziere den Lärm von TV und Radio.
  • Ältere Menschen brauchen viel Licht. Vermeide aber grelles Licht und Schattenwurf.
  • Setze wichtige Gegenstände mit Kontrast zur Umgebung ab (zum Beispiel WC-Brille, Lichtschalter, Zahnputzbecher, Schlüsselanhänger).
  • Muster und Ornamente auf Tapeten oder Tischtüchern, spiegelnde Flächen etc. verwirren Menschen mit Demenz.
  • Große Fensterflächen solltest du mit Klebern oder Vorhängen sichern, damit der Betroffene nicht hineinläuft.

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«Der beste Kompass sind die Gefühle»

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  • Beseitige Stolperfallen.
  • Haltegriffe im Bad oder beim WC erhöhen die Sicherheit.
  • Leuchte Treppen gut aus. Bringe auf jeder Stufe/Kante einen Signalstreifen an. Beidseitig verlaufende Handläufe sichern.
  • Überlege dir früh, ob ein Wechsel der Zimmer oder der Etage Sinn ergibt.
  • Platziere gefährliche Gegenstände (Medikamente, Putzmittel, Pflanzenschutzmittel etc.) außer Reichweite.
  • Informiere dich über Elektrogeräte mit Sicherheitsmechanismen.
  • Vorsicht beim Rauchen und mit brennenden Kerzen
  • Sorge dafür, dass geschlossene Räume von außen aufgeschlossen werden können.
  • Hinterlege bei allein lebenden Menschen mit Demenz beim Nachbarn einen Zweitschlüssel.

➔ Leitfaden zur Wohnungsanpassung von Alzheimer Schweiz

➔ Video über eine demenzfreundliche Musterwohnung

So nützlich können Alltagshilfen sein

Auch das gewohnte Lebensumfeld außerhalb ihrer Wohnung kann für Menschen mit Demenz so gestaltet werden, dass sie Orientierung, Bewegungsfreiheit, Schutz und Wertschätzung erhalten. In vielen Städten und Gemeinden sorgen lokale Unterstützungsstrukturen dafür, dass Betroffene ihren Alltag weiterleben und am Sozialleben teilhaben können. 

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Die Nachbarschaft im Quartier gestärkt

Die Stadt Bern organisierte im Rahmen des Projektes Socius nachbarschaftliche Unterstützung in einem Stadtteil. An anderen Orten belebte sie die … weiterlesen

Dazu gehören barrierefreie Straßenübergänge sowie genügend Sitzbänke und Handläufe ebenso wie Informationsstellen, Nachbarschaftshilfe und Spaziergruppen. Auch die Beschäftigten von Supermärkten, Sparkassen oder Polizei können den angemessenen Umgang mit demenziell Erkrankten in speziellen Trainings erlernen. 

Im Rahmen ihrer Initiative «altersfreundliche Städte» hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein globales Netzwerk aufgebaut, das mit dem Austausch von Ideen, Fragen und Praxisbeispielen hilft, das direkte Wohnumfeld von älteren Bürgern und auch von Menschen mit Demenz bestmöglich zu gestalten. Um in das Netzwerk aufgenommen zu werden, müssen Städte darlegen, dass sie angemessene Maßnahmen treffen, um den Lebensraum in ihren Städten altersfreundlich zu gestalten. Im deutschsprachigen Raum schließen sich immer mehr Städte diesem Netzwerk an.

Gerald Hüther

»Es macht Menschen krank, wenn sie mit ihren Problemen allein gelassen werden. Deshalb ist es gut, dass es demenzworld gibt.«

Gerald Hüther, Hirnforscher und Bestsellerautor

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Auch das Schweizerische Förderprogramm Socius der Age-Stiftung will ältere Menschen dabei unterstützen, länger zu Hause leben zu können. Die Teilnehmenden haben unter anderem Anlauf- und Informationsstellen eingerichtet, Nachbarschaftshilfe organisiert und Wohnassistenzen etabliert.

➔ Möglichkeiten, eine Kommune demenzfreundlich zu gestalten, finden Sie hier

➔ Kommunale Praxisbeispiele finden Sie hier

Sicheres Wohnen im Pflegeheim

Auch Pflegeeinrichtungen können architektonisch so gestaltet werden, dass sie Menschen mit Demenz in ihren Alltagsaktivitäten unterstützen und ihr Wohlergehen fördern. Zu den wichtigsten Handlungen, die sie noch lange selbstständig und aus eigenem Antrieb machen können, gehört die Fortbewegung. Sicherheit und Orientierung bieten dafür hindernisfreie Flure und Wege, die wie ein Rundweg angelegt sind. 

Rampen statt Treppen ermöglichen den Bewohnern, gefahrlos von einem Stockwerk ins andere zu gelangen. Wichtig sind auch Freiräume für Begegnungen von Betreuern und Patienten, ebenso wie private Nischen, in denen sich die Menschen mit Demenz zurückziehen können, ohne alleingelassen zu werden. 

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»Das Licht ist doch gratis«

Der Architekt Enzo Bernasconi baut Lebensraum für Menschen mit Demenz. Schon immer hat er dabei auf reichlich und gut verteiltes Tageslicht … weiterlesen

Fußböden und Möbel aus Holz strahlen auch für Menschen mit Demenz Wärme aus. Handläufe aus Holz eignen sich, weil Betroffene gerne mit den Händen darüberfahren und sie beim Gehen als Orientierung nutzen. Auch die richtige Beleuchtung beugt der Sturzgefahr vor, ebenso Ängsten oder Depressionen. Viel Licht bedeutet eine höhere Lebensqualität, und das Tageslicht ist die beste und billigste Lichtquelle. Es hilft demenziell Erkrankten außerdem, sich im Tagesverlauf besser zu orientieren und einen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus aufrechtzuhalten. 

Bei der Farbgestaltung, der Raumakustik und der Stimulation durch Bilder oder Düfte ist Reizüberflutung ebenso zu vermeiden wie Reizarmut. Räume, die mit allen Sinnen erfahren werden können, fördern bei vielen Betroffenen das Wohlbefinden und die Lebensqualität. Generell aber sind die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz so vielfältig, dass es für die architektonische Gestaltung ihres Lebensumfelds keine Patentrezepte gibt. Gute Architektur zeichnet sich dadurch aus, dass sie menschliche Lebensräume schafft – für Menschen mit oder ohne Demenz.

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«Ich bin ein engagierter Architekt geworden»

Eckhard Feddersen baut Häuser für Menschen mit Demenz. alzheimer.ch unterhielt sich mit ihm über Uterusgefühle, menschliche Bedürfnisse und altersfreundliche Lebensräume. weiterlesen

Eine demenzgerecht eingerichtete Wohnung schützt die Menschen durch Barrierefreiheit vor Stürzen und anderen Gefahren, ermöglicht Orientierung und verringert durch einfache Handhabung von Geräten und Möbeln mögliche Frustration. 

➔ Britta Blottner, Zuhause wohnen mit Demenz, Blottner-Verlag, 2019 

➔ Eckhard Feddersen, Insa Lüdtke, raumverloren – Architektur und Demenz, Birkhäuser 2014

➔ Anna Dellgrün, Wohn- und Lebensformen für Menschen mit Demenz, Books on Demand, 2020

➔ Peter Schmieg (Hrsg.): Kriterienkatalog demenzfreundliche Architektur, Verlag Logos Berlin, 2007

➔ Beispiel: eine demenzfreundliche Gemeinde in der Schweiz

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