Recht
Wer trifft für Menschen mit Demenz wichtige Entscheidungen? Wer darf die Post öffnen, das Konto verwalten, medizinische Fragen klären? Was sagt der Gesetzgeber?
Von Martin Mühlegg und Zeitenspiegel Reportagen
Aktualisiert am 23. April 2026
FAQ 1: Warum sollten rechtliche Fragen bei Demenz früh geregelt werden?
Demenz schreitet oft langsam voran. Früh getroffene Regelungen sichern den eigenen Willen, solange Urteilsfähigkeit besteht. So lassen sich spätere Konflikte vermeiden und wichtige Entscheidungen rechtzeitig vorbereiten.
FAQ 2: Was regelt eine Vorsorgevollmacht oder ein Vorsorgeauftrag?
Damit bestimmen Betroffene eine Vertrauensperson, die später Entscheidungen übernimmt. Dazu zählen Finanzen, Behörden, Wohnen, Pflege und medizinische Fragen. Wichtig ist, dass das Dokument rechtzeitig und gültig erstellt wird.
FAQ 3: Wofür ist eine Patientenverfügung wichtig?
Die Patientenverfügung legt fest, welche medizinischen Behandlungen gewünscht oder abgelehnt werden, wenn man selbst nicht mehr entscheiden kann. Sie gibt Angehörigen und Ärzten Orientierung in schwierigen Situationen.
Der Übergang ist oft schleichend für den gesunden Angehörigen. Einfache Handreichungen. Einen Brief öffnen, weil die Brille verlegt ist. Mit der Kreditkarte des anderen für ihn Geld abheben. Beim Ausfüllen eines Formulars helfen. Kleine Hilfestellungen zunächst, die in der Frage münden, ob all dies noch rechtlich abgesichert ist.
Irgendwann müssen Entscheidungen getroffen werden, dann geht es um Vollmachten und Verfügungen. Diese Dinge anzusprechen, wenn sich die Demenz erst im Anfangstadium befindet, ist ratsam, es gilt dasselbe wie bei der Patientenverfügung – rechtzeitig angehen. Aber es braucht Fingerspitzengefühl.
Für andere Menschen Entscheidungen fällen, ist eine große Verantwortung. Wenn die Erkrankung voranschreitet, müssen immer mehr Aufgaben übernommen werden. Es kann zu schwierigen Situationen für alle Beteiligten kommen, für die Menschen mit Demenz, aber auch für ihre Angehörigen und für die Verantwortlichen in Heimen und Krankenhäusern: Beispielsweise, wenn Angehörige uneins sind.
Wenn etwa die Kinder eines Menschen mit Demenz unterschiedlich vorgehen möchten. Die einen möchten, dass die Person weiter zuhause lebt. Die anderen meinen, im Heim würde es ihr besser gehen. Auch bei medizinischen Belangen müssen Entscheidungen getroffen werden, mitunter ethische, auch vonseiten von Heimleitungen. Ist es etwa zulässig, Menschen mit Demenz Medikamente, die diese nicht nehmen möchten, ins Essen zu schmuggeln? Gegen ihren Willen?
Ein Vorsorgeauftrag muss ähnlich wie ein Testament eigenhändig aufgesetzt und unterschrieben werden. Außerdem muss die Urteilsfähigkeit gegeben sein. Das kann schwierig werden, weil Menschen mit Demenz ihre Krankheit anfangs oft gut verbergen.
In Deutschland heißt das diese Themen umreißende Dokument «Vorsorgevollmacht». Sie wird von den Betroffenen selbst verfasst. Sie bestimmen, wer Entscheidungen stellvertretend für sie treffen soll. Diese Vertrauensperson sollte über die Wünsche der Betroffenen informiert sein.
Die Vorsorgevollmacht ist nur wirksam, wenn die Menschen mit Demenz zum Zeitpunkt der Unterschrift noch geschäftsfähig sind. Das heißt, sie müssen den Sinn und Inhalt einer Vollmacht noch verstehen und hinterfragen können. Sie müssen also auch entscheiden können, ob die gewählte Person wirklich vertrauenswürdig ist.
Eine notarielle Beurkundung einer solchen Vollmacht ist ratsam, wenn die Betroffenen über Immobilien verfügen, die möglicherweise zur Absicherung von Pflegekosten herangezogen werden sollen. Banken und Sparkassen verlangen oft eine zusätzliche Kontovollmacht.
➔ Hier geht’s zum alzheimer.ch-Dossier «Wer entscheidet im Namen von Menschen mit Demenz»
In die Vollmacht können unterschiedliche Aspekte aufgenommen werden, so zum Beispiel die Gesundheitsfürsorge mit medizinischen und pflegerischen Aspekten, aber auch das Aufenthaltsbestimmungsrecht. Letzteres greift, wenn Menschen mit Demenz sich weigern, zu einem Arzt oder ins Krankenhaus zu gehen.
Auch Mietangelegenheiten und Behördengänge werden damit geregelt, oder wenn eine Rente beantragt werden soll. Um alle gesundheitlichen Fragen dreht sich die gesetzlich verbindlich geregelte Patientenverfügung. Die Grundsätze in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich sind dabei ähnlich.
In Österreich heißt die Vollmacht «Vertretungsbefugnis». Diese umfasst Alltägliches wie Haushaltsführung, Organisation der Pflege, Beantragung sozialversicherungsrechtlicher Leistungen sowie Finanzielles wie Rente (Pension), Pflegegeld oder Sozialhilfe, aber auch gesundheitliche Belange. Die Vertretungsbefugnis muss von einem Notar im Österreichischen Zentralen Vertretungsverzeichnis (ÖZVV)registriert werden.
Links und Literatur zu der rechtlichen Lage bei Demenz
➔ Hier gibt’s ausführliche Informationen zur rechtlichen Lage in Deutschland
➔ Hier gibt’s ausführliche Informationen zur rechtlichen Lage in der Schweiz
»Auf demenzworld finden sich die Informationen, die ich gebraucht hätte, als ich in meiner Familie bei diesem Thema am Anfang stand.«
Arno Geiger, Schriftsteller
Jetzt spendenEntdecke unsere weiteren Plattformen:
demenzworld
Alles für das Leben mit Demenz: Verschaffe dir einen Überblick über die demenzworld und entdecke unser demenznavi.
demenzjournal
Interviews, Reportagen, Blogs und mehr: demenzjournal versorgt dich seit 2016 crossmedial mit Demenzwissen.
demenzmeets
Triff Angehörige, Betroffene und Fachpersonen zu einem Austausch auf Augenhöhe und verbringe »leichte Stunden zu einem schweren Thema«.
demenzforum
Tausche dich in unserem sicheren Online-Forum vertrauensvoll zum Alltag mit Demenz aus und erhalte rasch Antworten.